Die Geschichte mit der Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld

(Beitrag vom 19.03.2009 korrigiert am 25.07.2012)

Die Geschichte mit der Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld

Über die „Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld“ ist bereits vieles geschrieben worden. Da sollte bereits alles Wissenswerte darüber gesagt worden sein. Jedoch sind die vielen Informationen zu dem Thema nicht stimmig oder sogar widersprüchlich, vor allem, wenn von Enderlein die Rede ist. Dies ist an anderer Stelle bereits aufgefallen und Andreas Gerzen stellte in einem voran gegangenen Artikel die „ketzerische“ Frage: Dunkelfeldblutdiagnostik ohne das Wissen von Enderlein? Geht das?



Ja, würde ich meinen, das geht sogar sehr gut. Der Enderlein weiß nämlich gar nichts von dem, was da in seinem Namen so diagnostiziert wird. Oxidativer Stress, Darmrollen, Leberzeichen, Bärentatzen, Candida-Nester, usw. sind Begriffe, die erst in den 1980/90er Jahren auftauchen. Doch auch wenn Enderleins Terminologie verwendet wird, bedeutet dies nicht, dass hier im Sinne von Enderlein diagnostiziert wird.

Enderleins vergleichend morphologische Blutuntersuchungen bestanden in einer kombinierten nativ (=unbehandelt) Blutuntersuchung im Dunkelfeld-Mikroskop und Phasenkontrast-Mikroskop und der Beurteilung von gefärbten Blutausstrich-Präparaten. Beurteilt wurden die Stärke des Befalls der Erythrozyten und Leukozyten mit den Endobiontenformen. Das Gesamturteil bezog sich auf die Valenz (Wertigkeit) des Endobionten. Diese konnte mit: gering- mäßig hoch – hoch – oder sehr hoch angegeben werden. [IBICA-Blutuntersuchungsprotokoll; AKMON, 1955, S. 134]
Die Beurteilung eines Blutbefundes nach Enderlein hörte sich beispielsweise so an: „mäßig starke Endobiosis. Gegenüber den früheren Befunden ist eine langsame aber stetige Besserung der Blutbeschaffenheit in vergleichend morphologischer Hinsicht zu beobachten. Jetzt hat sich auch die Abwehrbereitschaft deutlich erhöht und gebessert. Wir raten, vorläufig noch, die isopathische Behandlung fortzusetzen.“ [Blutuntersuchungs-Protokoll erstellt von G. Enderlein am 18.11.1965]

Enderleins vergleichend-morphologische Blutuntersuchung erlaubt demnach eine allgemeine Aussage über die Blutbeschaffenheit und die Abwehrbereitschaft der Immunzellen. Eine reine „Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeldmikroskop nach Enderlein“ gab es nicht, ebenso wenig wie richtungweisende Organbezüge in der Beurteilung des Blutbefundes. Dies alles entstand erst nach dem Tod von Enderlein.

Ursprünglich war es Dr. phil. Wilhelm von Brehmer, der die Methode bekannt machte. Von Brehmer hatte Anfang der 1930er Jahre, wie bereits andere vor ihm, einen vielgestaltigen Mikroorganismus im Blut erkannt, den er für die Krebserkrankung verantwortlich machte. Von Brehmer war es auch, der die Methode der „Vitalblutmikroskopie im Dunkelfeld“ favorisierte und behauptete, man könne damit eine Krebserkrankung diagnostizieren. Von Brehmers Arbeiten waren international bekannt geworden, doch konnten sich weder von Brehmer, noch alle anderen Forscher vor und nach ihm, mit ihrer parasitären Krebserreger-Theorie innerhalb der Schulmedizin durchsetzen.

Die Diskussion darüber hatte man spätestens seit den 1920er Jahren als erledigt betrachtet. Zuvor hatte Robert Koch den Erreger im Ascites von Krebskranken gesehen, erklärte ihn jedoch für harmlos, weil man ihn nicht anzüchten könne. [Zitiert nach Sigmund von Kapff: Denkschrift zur Umgestaltung unseres Heil- und Gesundheitswesens 1941] Paul Ehrlich, der Begründer der Chemotherapie und Medizin Nobelpreisträger von 1908, war mit der Thematik befasst, wie auch andere prägende medizinhistorische Persönlichkeiten, so z. B. Viktor Schilling, der Mitbegründer der Hämatologie oder der Pathologe Gerhard Domagk, der 1935 die antibakterielle Wirkung des Farbstoffs „Prontosil“, einem Sulfonamid, entdeckt hatte und hierfür 1939 den Nobelpreis für Medizin bekam.

Bereits 1922 hatte Schilling in seinem Lehrbuch „Das Blutbild und seine klinische Verwertung“, die Untersuchung von natürlichen Blutpräparaten im Dunkelfeld als empfehlenswerte zusätzliche Untersuchungsmethode beschrieben.
Wörtlich schreibt er dort:

„Natürliches Blutpräparat; Dunkelfeld.
Betrachtung des natürlichen Blutes bei geringer Abblendung mit starker Vergrößerung oder im Dunkelfeld ist sehr zu empfehlen.
Präparation: Abnahme eines kleinen ganz frischen Bluttropfens mit sauberem großem Deckglas; Auflegen auf sauberen Objektträger, so daß sich der Tropfen ausbreitet. Ev. für längere Betrachtung Umrandung mit Vaseline; ...
Sichtbar: Erythrozyten, ihre Geldrollenbildung und Formveränderungen; Blutplättchen, Lymphozyten als fast homogene Kügelchen mit dunkler Kernlücke; Granulozyten gekörnt (neutrophile fein, eosinophile grob, etwas gelblich); Kern ausgespart, ebenso Zentralapparat. Bei Erwärmung amöboide Bewegung aller Leukozyten (Lymphozyten und Monozyten sehr träge) und Körnchenflimmerung.
Nach 3 - 10 Minuten Fibrinnadeln und Deformation mit Auftreten beweglicher Trümmer und Derivate. Die bei starker Abblendung oder im Dunkelfeld sofort sichtbaren sehr kleinen ‚Blutstäubchen’ (Hämokonien) sind meist Fettpartikelchen und nach der Mahlzeit sehr vermehrt; die größeren sind ‚Centren’ usw.; ‚Pseudospirochäten’.“ [S. 16]
Randkörnchen. Taf. I. 26.
Sehr kleine (bis ¼ µ groß) einfache oder doppelte Körnchen im Erythrozyten in äußerst peripherer oder exzentrischer Lage. Sehr leicht ablösbar, daher meist nur streckenweise an jedem oder vielen Erythrozyten. Lebhaft azurrot (normal ohne besondere Methoden nicht erkennbar). (Im Dunkelfeld sind sie sehr beweglich, anscheinend molekular, können aber auch geißelartige Anhänge besitzen.) Sie treten im Verlaufe zahlreicher, auch gerade aregenerativer Anämien auf und können größer werden sowie blaue Substanzen in ihrer Umgebung erhalten (‚Pseudoparasiten’). Vielfach sind sie scheinbar für Krankheitserreger angesehen, da sie besonders mit Piroplasma (Sporentierchen zur Gruppe der Protozoa gehörig)  bis auf ihre geringere Größe Ähnlichkeit besitzen können. Taf. I. 27. Während einige Autoren sie für letzte Kernreste ansehen (Jolly, Weidenreich ‚Chromatinstäubchen’), halten andere sie für die verbleibende Zentralkörnchengruppe (z. B. Alfred Nißle, Verfasser).” und S. 50]

Es hat in der Vergangenheit nicht an Anstrengungen gefehlt, die Identität der beschriebenen „Blutstäubchen“, „Centren“, „Pseudospirochäten“, „Pseudoparasiten“, „Chromatinstäubchen“ usw. zu klären und ihre Rolle im Krankheitsgeschehen aufzuklären. Von Brehmer hatte seinerzeit für Aufsehen gesorgt, da es ihm gelungen war, mit der Apparatur der Firma Lautenschläger, zum ersten Mal den intravasalen pH-Wert im strömenden Blut zu messen und damit neue Unterlagen zu schaffen. Von Brehmer war der Ansicht, dass sich der potentielle Krebserreger in einem alkalischen Blut-pH entwickeln würde. Dagegen stand die alte Auffassung, dass die chronische Übersäuerung des Blutes Grundursache allen Übels sei.

Diese Auffassung vertrat auch Günther Enderlein, der in der Zeit von 1931-1937 zusammen mit dem Danziger Onkologen, Egbert Frick, und einem Stabsarzt der Charité in Berlin, seine „Studien zum Krebsproblem“ durchgeführt hatte. [Archiv für Entwicklungsgeschichte der Bakterien. Bd. 1, Heft 3, 1937] Enderlein war, als Zoologe vom Fach, darum gebeten worden, die Arbeiten von dem Kölner Gynäkologen Otto Schmidt zu überprüfen. Dieser hatte bereits 1903 über einen seltsam wandelbaren Mikroorganismus in Tumoren und im Blut von Krebskranken berichtet, den er für die Krebserkrankung verantwortlich machte. Der 1926 verstorbene Schmidt hatte auch schon eine isopathisch genannte, immunbiologisch wirksame „Krebs-Vakzine“ aus dem Schimmelpilz Mucor racemosus entwickelt, die er unter dem Namen „Novantimeristem“ vertrieb. Aus dem gleichen Schimmelpilz stellte Enderlein Anfang der 1940er eine eigene "Krebs-Vakzine" her. Sie beruhte auf Enderleins Verständnis von der entwicklungsgeschichtlichen genetischen Einheit der "Chondrit-Bakterie-Schimmel-Organismen" sowie der Vorstellung von einer "Ursymbiose" des Schimmelpilzes Mucor racemosus mit dem Vorläuferorganismus aller Wirbeltiere vor hunderten Millionen Jahren. Enderlein fasste den aufgefundenen Mikroorganismus im Blut primär als Symbiont auf, der erst im Laufe des Lebens, und aufgrund einer Vielzahl schädigender Faktoren, krankmachende Eigenschaften entwickeln würde.

Enderleins Geschichte mit dem Endobiont und der Dunkelfeldmikroskopie hat sich demnach etwas anders zugetragen als allgemein überliefert wurde.

Enderlein hatte von Brehmer seinerzeit vorgeworfen, die gesamte Literatur auf dem Gebiet der parasitären Krebsforschung missachtet zu haben. Die Arbeiten von von Brehmer waren jedoch 1934/35 von Victor Schilling persönlich und auch von dem Reichsgesundheitsamt in Berlin überprüft worden. Dabei hatte man den aufgefundenen Mikroorganismus im Blut bestätigen können. Nicht bestätigt wurde jedoch die Rolle dieses Mikroorganismus im Krankheitsgeschehen. Auch die Behauptung von Brehmers, man könne mit Hilfe der Dunkelfeldmikroskopie eine Krebsdiagnose stellen, war wohl nicht haltbar.

Auf die Frage, ob mit der vergleichend-morphologischen Blutuntersuchung eine Krebs-Diagnose gestellt werden könne, hatte Enderlein rund zwanzig Jahre später wie folgt beantwortet:

„Es kann natürlich nicht erwartet werden, daß diese Untersuchung eine Diagnose (z. B. auf Krebs) ermöglicht; sie läßt lediglich Rückschlüsse auf eine Ca-Bereitschaft zu. Diese Frage erübrigt sich schon, nachdem man sich Klarheit über den Charakter und den Begriff des ‚Endobiosis-Komplexes’ verschafft hat. Der Krebs als solcher läßt sich nur in Verbindung mit histologischen und klinischen Befunden etc. diagnostizieren. Den Mittelpunkt der Untersuchung bildet u. a. die Feststellung der Stärke des Befalls der Erythrozyten, der Leukocyten-Kerne und des Leukocyten-Plasmas und gleichzeitig die Ermittlung der Valenz.” (G. Enderlein:IBICA-Information. Juni 1954)

Konkurrenz auf dem Gebiet der „Blutmikrobenforschung“ gab es nicht nur zwischen Enderlein und von Brehmer. Vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine ganze Reihe Forscher in Europa und Amerika, die mit der Thematik befasst waren. Doch hatten sie oft genug keine Notiz voneinander genommen, oder sich sogar dagegen gewehrt, dass ihre aufgefundene „Blutmikrobe“ oder „Parasit“ mit denen anderer identisch sei. So erhielt das „Ding“ viele Namen und viele Hypothesen über die Natur dieses seltsam wandelbaren Mikroorganismus im Blut wurden aufgestellt. Die Versuchung, mit dieser Entdeckung Medizingeschichte zu schreiben, war wohl für alle Beteiligten zu groß. Zudem folgten den jeweiligen Neuentdeckungen auch gleich entsprechende Präparate für die Krebsbehandlung. Das hatte zu jeder Zeit einen gewissen Beigeschmack. Wissenschaftliche Gegner hatten ein leichtes Spiel, zumal sich die vermeintliche Blutmikrobe auch noch dem allgemeinen wissenschaftlichen Verständnis entzog. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.

Warum die vermeintliche „Blutmikrobe“ bisher nur im medizinischen Untergrund zu finden ist, darüber gibt es viele Spekulationen. Enderlein machte eine „doktrinäre dogmatische Medizin“, die nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausblickt, dafür verantwortlich. In den AKMON-Heften führte er zudem an verschieden Stellen den „Fitzgerald-Report“ an, den er ins Deutsche mit übersetzt hatte. Dort wird ein amerikanisches pharmazeutisches Kartell für die Unterdrückung der biologischen Krebsbehandlung verantwortlich gemacht. [Benedict F. Fitzgerald, Jr., Special Counsel, US Senate Committee on Interstate and Foreign Commerce, 1953 http://www.newmediaexplorer.org/chris/2007/04/03/1953_fitzgerald_report_suppressed_cancer_treatments.htm. Deutsche Übersetzung von 1955 siehe: http://www.windstosser.ch/museum/manuskript/allgem_u_historisch/04_6.html ].

Wie dem auch sei, die „Vitalblutdiagnostik im Dunkelfeld“ wurde hierzulande in den 1950er Jahren vor allem von den Mitgliedern der IFA (Internationale Freie Akademie) innerhalb der Komplementärmedizin weiter getragen, bis zu ihrer Auflösung im Laufe der 1980er Jahre. Die IFA war von Wilhelm von Brehmer nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Die Organisation wurde von engagierten Ärzten getragen, die von Brehmers Hypothesen durch weitere wissenschaftliche Untersuchungen erhärten wollten. Doch trotz aller Anstrengungen war dies nicht gelungen. Von den Arbeiten Enderleins hatte man innerhalb der IFA keine Kenntnis genommen. Auch die wertvollen Arbeiten von Erwin Santo und Hans Peter Rusch waren dort unbekannt geblieben und die anderer Forscherpersönlichkeiten aus Enderleins Umkreis. Die Überraschung war groß, als man lange nach dem Tod von von Brehmer feststellen musste, wie viel auf diesem Gebiet schon gearbeitet worden war. [Korrespondenz der Mitglieder aus dem IFA-Archiv]

In den 1980er Jahre wurde dann zunehmend eine „Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld nach Enderlein“ im Zusammenhang mit der Firma Sanum-Kehlbeck und dem später angegliederten Semmelweis-Verlag bekannt. Dort sammelten sich die Arbeiten der ins medizinische Abseits geratenen Forscher und zum Teil auch deren Präparate. Das Zugpferd war und ist jedoch Günther Enderlein, mit dessen Präparaten man auch heute noch „medizinische Wunder“ vollbringen kann. Die „Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld“ ist nicht erforderlich, um mit den Präparaten der Firma Sanum-Kehlbeck, oder auch der SanPharma, erfolgreich zu arbeiten. Die Methode ist jedoch sehr hilfreich, wenn man seinem Gegenüber auf einen Blick zeigen möchte, um was es bei Enderleins Endobionten eigentlich geht.

Wenn Therapeuten nun eine „Dunkelfeld-Mikroskopie nach Enderlein“ anbieten, dann bedeutet dies in erster Linie, dass sie mikrobielle Kleinstlebewesen im Blut erkennen und mit den Mitteln der Firma Sanum-Kehlbeck arbeiten sowie bei der Behandlung verschiedene traditionelle Aspekte der naturheilkundlichen Behandlung berücksichtigen, wie z. B. die Regulierung des Säure-Basen-Haushaltes oder die Ernährungsumstellung im Sinne einer vegetarischen Kostform. Einigkeit bezüglich der Deutung der Blutbilder im Dunkelfeld besteht nicht. Trotzdem arbeiten die Therapeuten u. U. sehr erfolgreich, denn kein(e) seriöser(e) Therapeut(in) verlässt sich ausschließlich auf die Dunkelfeldmikroskopie. Er/Sie findet seine/ihre Diagnose aus einem ganzen Bündel Informationen, die sich in erster Linie durch das Gespräch mit den Patienten vermittelt. Hinzu kommen, je nach Ausbildungs- und Kenntnisstand, die körperliche Untersuchung, Laborbefunde, Vorbefunde, usw. und nicht zuletzt, die Intuition.

Möchte man jedoch verhindern, dass die Methode der „Vitalblutuntersuchung im Dunkelfeld“ auf dem Index der Gesundheitsbehörde landet, wie z. B. in den U.S.A., sollte allen seriösen Therapeuten/Therapeutinnen daran gelegen sein, die gestellten Diagnosen mit anderen Methoden abzusichern. Das können Laboruntersuchungen sein, Bild gebende apparative Untersuchungen, oder aber auch radiästhetische Verfahren, wenn man der Ansicht ist, dass entsprechende medizinische Untersuchungen nicht sensitiv genug sind. Vor allem aber wäre es ratsam, der Methode nicht zuviel abverlangen zu wollen, sondern sie als wertvolle zusätzliche Untersuchungsmethode zu betrachten.


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