Lexikon > Prof. Enderleins kleines Lexikon > Dunkelfeldmikroskopie - Untersuchung des Nativblutes


Dunkelfeldmikroskopie - Untersuchung des Nativblutes


Spezielles Mikroskopieverfahren;

im Unterschied  zum Hellfeldmikroskop gelangt beim Dunkelfeldmikroskop kein direktes Licht in das Objektiv. Das zu untersuchende Präparat wird mit Hilfe eines speziellen Kondensors kegelförmig beleuchtet. Befindet sich kein Präparat im Strahlengang, so bleibt im Dunkelfeld das Gesichtsfeld beim Blick durch das Okular dunkel. Wird ein Präparat in den Strahlengang gebracht, dann wird das Licht an den Präparatstrukturen reflektiert und gelangt teilweise in das Objektiv zurück. Dabei entsteht im Mikroskop ein Bild, bei dem vor allem die Ränder der mikroskopischen Objekte vor dem dunklen Hintergrund hell leuchten.

Entdeckt wurde die Dunkelfeldbeobachtung 1837 von Rever ent Joseph Bankroft Reade (1801 - 1870), einem englischen Kleriker und Amateurforscher, der ein Jahr zuvor auch die erste Mikrophotographie mit einem Projektionsmikroskop hergestellt hatte.

1902 entwickelten die beiden Zeissianer, Henry Siedentopf (1872 - 1940) und Richard Zsigmondy (1865 - 1929),  das "Ultramikroskop" (eine Variante des  Dunkelfeldmikroskops) zur Visualisierung von Kolloidteilchen. 1925 erhielt Zsigmondy den ersten Nobelpreis in der Mikroskopie (Nobelpreis für Chemie) "für den Nachweis der heterogenen
Natur der kolloiden Lösungen und für die dabei angewandten Methoden, die für die moderne Kolloidchemie grundlegend sind".
1922 beschreibt der Begründer der medizinischen Hämatologie, Victor Schilling, in seinem Lehrbuch „Das Blutbild und seine klinische Verwertung“, die Untersuchung von natürlichen Blutpräparaten im Dunkelfeld. Dort schreibt er:


Natürliches Blutpräparat im Dunkelfeld.

Betrachtung des natürlichen Blutes bei geringer Abblendung mit starker Vergrößerung oder im Dunkelfeld ist sehr zu empfehlen.
Präparation: Abnahme eines kleinen ganz frischen Bluttropfens mit sauberem großem Deckglas; Auflegen auf sauberen Objektträger, so daß sich der Tropfen ausbreitet. Ev. für längere Betrachtung Umrandung mit Vaseline;

Sichtbar: Erythrozyten, ihre Geldrollenbildung und Formveränderungen; Blutplättchen, Lymphozyten als fast homogene Kügelchen mit dunkler Kernlücke; Granulozyten gekörnt (neutrophile fein, eosinophile grob, etwas gelblich); Kern ausgespart, ebenso Zentralapparat. Bei Erwärmung amöboide Bewegung aller Leukozyten (Lymphozyten und Monozyten sehr träge) und Körnchenflimmerung.

Nach 3 - 10 Minuten Fibrinnadeln und Deformation mit Auftreten beweglicher Trümmer und Derivate. Die bei starker Abblendung oder im Dunkelfeld sofort sichtbaren sehr kleinen ‚Blutstäubchen’ (Hämokonien) sind meist Fettpartikelchen und nach der Mahlzeit sehr vermehrt; die größeren sind ‚Centren’ usw.; ‚Pseudospirochäten’.

In der Hämatologie spielt heutzugage die Blutuntersuchung im Dunkelfeldmikroskop keine Rolle mehr. Die Methode hat sich jedoch im Bereich der Alternativmedizin erhalten. Sie wird weltweit von Heilpraktiker, Ärzten und privaten Gesundheitszentren und Kliniken angeboten. In jüngster Zeit entdecken immer mehr Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln die Vitalblutbilder im Dunkelfeld als Marketing-Instrument. Die Methode steht in Kritik, da sie nicht standardisiert ist und keine Einigkeit über die Deutung der morphologischen Phänomene im Blut besteht.

Natürliches Blutpräparat im Phasenkontrast.

Hier gilt eigentlich alles, was auch für die Dunkelfeldmikroskopie gilt.
Notwendig ist hier allerdings ein Phasenkontrast-Kondensor sowie ein spezielles 100'er Öl-Phasenkontrast-Objektiv.

 Belasteter Leukozyt im Phasenkontrast  Belasteter Leukozyt im Dunkelfeld
 Phasenkontrast  Dunkelfeld


 

Seite zurück