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Brehmer - Dr. Wilhelm von Brehmer (1883 - 1958)


Dr. Wilhelm von Brehmer arbeitete u.a. am Anatomischen Forschungsinstitut, am Pathologisch-anatomischen-mikrochemischen Laboratorium der biologischen Reichsanstalt in Berlin an der Erforschung viraler Erkrankungen von Pflanzen und Tieren.

Bei Blutuntersuchung von menschlichem und tierischem Blut fand er polymorphe (unterschiedliche Formen und Größen) Mikroorganismen, deren Aussehen teilweise schlauchartig, teilweise sporenartig war. Diesen Mikroorganismus nannte er "Siphonospora polymorpha), der Keim wurde 1960 als Corynebakterium parvum klassifiziert.

Die Forschungen von Dr. von Brehmer zeigten, daß die Entwicklungsphasen dieses Erregers abhängig sind vom pH-Wert (Wasserstoffionenkonzentration) des Milieus in dem der Keim lebt. Was Prof. Enderlein bereits früher in seiner Bakteriencyclogenie beschrieben hatte, fand auch durch die Untersuchung von Dr.v.Brehmer Bestätigung, der von ihm beschriebene Siphonospora-Keim durchläuft einen vom pH-Wert des umgebenden Milieus abhängigen Entwicklungskreislauf.  v.Brehmer entwickelte als erster eine Meßanordnung, mit dem man bei Patienten direkte intravenöse Messungen des Blut-pH-Wertes durchführen konnte und stellte dabei fest, daß der Blut-pH-Wert bei Patienten mit Krebserkankungen stets im basischen Bereich lag.

Daraus leitete v.Brehmer die Annahme ab, daß das Auftreten von höherentwickelten Siphonosporen, basischen Blut-pH-Werten und dem Auftreten von bösartigen Tumoren ein Zusammenhang bestünde. v.Brehmer konnte zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen, daß mit der Entwicklung basischer Blut-pH-Werte zugleich der Gewebe-pH-Wert sauer wird, Blut- und Gewebe-pH-Werte sich also umgekehrt proportional zueinander verhalten. v.Brehmer kultivierte bei unterschiedlichen pH-Werten den Keim, und gab den einzelnen Formen neue Bezeichnungen, ohne zu berücksichtigen, daß das Phänomen des cyclogenetischen Formenwandels schon Jahre zuvor von Enderlein für den Endobionten beschrieben wurde, der auch eine exakte Nomenklatur der vielen Formen angegeben hatte.

Enderlein rechnete Siphonospora zur endobiontischen Cyclogenie gehörend, was bedeutet, daß auch hier mit submikroskopischen Größenordnungen die Aufwärtsentwicklung im sauren Gewebe-pH bzw. im schwach alkalischen Blumilieu beginnt.

Dann folgt im zunehmend basisch werdendem Blut-pH die Höherentwicklung in Sporangien, die platzen und weitere Sporen freisetzen, nach Enderlein Symprotite. Die weitere Aufwärtsentwicklung erfolgt bei weiterer Zunahme der Übersäuerung des Gewebes über Doppel- und Tetrasporensporen sowie Schlauch- (mit lebhafter Eigenbeweglichkeit) und Stäbchenbildungen.

Die letzteren Entwicklungsstufen verhalten sich zunehmend virulent und finden sich insbesondere bei Patienten mit bösartigen Tumoren. v.Brehmer entwickelte aus Siphonosporenkulturen ein Medikament, das sich neben weiteren Therapien bei Krebspatienten bewährt hat und auch heute noch in der biologischen Tumortherapie Anwendung findet.

 

 

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